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November bei der DB

Es wird für mich ein langer Eintrag – per Handy aus dem Zug. Vermutlich werde ich die komplette Fahrt damit verbringen… Es wird also kurzweilig.

Es ist November und meistens ist es der Monat mit den häufigsten Suiziden. Zwischen Münster und Osnabrück nahm sich heute ein Mensch das Leben.

Es gibt jetzt zwei Sichtweisen:

1. Für Angehörige ist es schrecklich. Wie verzweifelt muss ein Mensch sein, wenn er sich umbringt. Man kann es sich nicht vorstellen und sollte dies besser auch nicht tun.

2. Wie hart können Menschen (ver-)urteilen, wenn Sie die Auswirkungen zu spüren bekommen?
“Der Wixer, hätte er sich nicht in seinem Bad erhängen können?”
“Da fahre ich einmal Bahn und dann passiert sowas.”
“So eine Scheiße.”

Es ist ein Unglück, die Strecke wird gesperrt. Die Staatsanwaltschaft rückt aus, Polizei, Bestatter…
Bis die Strecke freigegeben ist, dauert es.
Ich vermute, dass es für keinen der Beteiligten lustig ist. Umso schlimmer sind die unflätigen Ausdrücke am Service Point. Die Mitarbeiter der DB müssen ein echt hartes Fell haben, ich hoffe, sie werden entsprechend entlohnt.

In der Warteschlange hinter mir stand also ein junger Herr. Der regte sich laut bei seinen beiden Freunden auf. Wüste Beschimpfungen bis hin zu “für die Hin- und Rückfahrt werde ich nichts bezahlen. Das kriege ich ja wohl alles zurück.”

Ein innerliches lautes Auflachen meinerseits hebte meine Stimmung. Sein Gesicht möchte ich sehen, wenn er nur max. 50% des Fahrpreises zurückbekommt.
Von Münster ging es dann auf nach Hiltrup. Zu diesem Zeitpunkt ist ein Zug ausgefallen und der nächste hatte bereits 30min Verspätung. Also 1,5 Std. im Verzug.

Die kurze Zugfahrt von 10min ließ mich wieder am menschlichen Verstand zweifeln. Eine Frau blockierte erstmal die Tür und fragte laut, ob das der richtige Zug sei, sie müsse nach Mannheim. Ein innerer Seuftzer braute sich in mir zusammen. Ein Mann sagte ihr, dass der Zug nur nach Warburg fährt, Sie aber in Hiltrup aussteigen soll. Dort würde der Zug nach Frankfurt halten, der (natürlich) auch über Köln fährt.
Ihre pampige Art ließ mich erschauern. Sie wolle nicht nach Köln oder Frankfurt, sondern nach Mannheim. Guuuut.

Liebe Leserinnen und Leser,
liebe Kinder,

nehmt Euch einen Atlas zur Hand. Und nun suchen wir alle mal Köln, Frankfurt und Mannheim.
Was sagt uns das?
Man könnte meinen, Köln und Frankfurt liegen genau auf dem Weg nach Mannheim.
Vielleicht wollte die Frau aber auch über Würzburg nach Mannheim. Möglich.
Nachdem ein Mann und sie sich in die Haare bekommen hatten, musste ich weghören. Sonst hätte ich mich zu sehr aufgeregt. In solchen Stresssituationen verlieren Menschen ganz oft ihren Verstand. Man sollte sie an die Hand nehmen. Den Befehl “Hinsetzen!” erteilen und dann den Atlas rausholen, etwas über die Größe und Knotenpunkte der DB erzählen und hinterher aufsagen lassen.

In Hiltrup hat der zweite Zug einen unplanmäßigen Halt eingelegt. Meine große Reisegruppe bestieg fix den Zug und dann ging es über eine Güterstrecke nach Osnabrück weiter.

Mein Zug hat mittlerweile 61min Verspätung.
Da ich den vorherigen Zug auch nicht bekommen habe, liegt meine Verspätung bei 121min.

Vermerk: ich bin von meinem Rekord noch weit entfernt! (Der liegt bei über 200min.)

PS: Ein antialkoholisches Getränk für alle! HUI! Das ist gut!

2 comments. Leave a Reply

  1. Thomas

    Ich glaub in so einem Fall (bei den liebenswerten Mitreisenden) würde selbst ich ein alkoholisches Getränk zu mir nehmen .. ;)

  2. Michael

    Ja, verplante Bahnfahrer sind schon immer wieder köstlich. Als ich neulich abends um kurz nach 20 Uhr meinen Anschluss in Osnabrück Richtung Norden verpasst habe, krakeelte eine Frau, die nach Hamburg musste, erstmal los dass das ja der letzte Zug sei, den wir verpassen würden. Dank der DB-App auf dem Smartphone gelang es mir dann, sie zu überzeugen dass es noch mehrere Anschlüsse für Ihre Heimfahrt geben würde. Sie war wohl der Ansicht, dass in den kleinen Faltblättern (Zuglaufplänen?) *alle* Anschlüsse für den Rest des Tages aufgeführt wären…

    In Osnabrück hat auch diese nette Frau dann Ihre Geographiekenntnisse bewiesen als sie – mit dem Tip konfrontiert erstmal die Regionalbahn nach Bremen zu nehmen, die wenige Minuten nach unserer Ankunft in Osnabrück losfuhr, lauthals dem halben Bahnsteig erklärte, dass man Ihr mit Bremen wegbleiben solle, sie wolle schließlich nach Hamburg…

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