Wenn Ihr glaubt, dass es sich bei der letzten Geschichte um irgendeine lustige Ausnahme handelte, dann frage ich mich, was ich in meinem Leben falsch mache. Denn auch gestern hatte ich ein ähnliches Erlebnis, wo man sich fragt: warum ist der Service in Deutschland so schlecht?
Wundern sich die Verkäufer/Einzelhändler wirklich, dass immer mehr Produkte online gekauft werden?
Ich gehöre zu der Sorte Mensch, die gern in ein Geschäft geht. Ich möchte ein Produkt sehen, bevor ich es kaufe. Wenn es geht, möchte ich es auch gern anfassen. Ich will wissen, was ich kaufe. Und wenn es richtig teuer ist, verlange ich eigentlich auch eine gute Beratung. Man kann jetzt diskutieren, was “richtig teuer” bedeutet. Das ist wohl der Perspektive eines jeden Einzelnen überlassen.
Gestern morgen hatte ich im Halbschlaf eine super Idee, was ich meiner Freundin zum Geburtstag schenken könnte. Es ist ein runder Geburtstag, also dachte ich mir, ein wenig Exklusivität kann nicht schaden, außerdem darf ich sie mit Pflegeprodukten aufziehen. Spaß muss sein. Im Internet habe ich also schnell bei Douglas nachgeguckt und genau das Richtige für meine Freundin gefunden. Es war perfekt! (Und ich finde eher selten perfekte Geschenke.) Diesmal war ich von meiner Idee total überzeugt.
Um den Vorgang zu beschleunigen sprang ich auf. Zog mich schnell an, rannte zur Straßenbahn und fuhr sofort zur nächsten Douglas Filiale, die diese Marke (Bobbi Brown) führen. Jedes mal, wenn ich so eine Parfümerie betrete, denke ich, dass ich vielleicht auch Makeup hätte auftragen sollen. Aber ich habe selten Zeit für diesen Quatsch, besonders dann, wenn ich eine vermeintlich gute Idee habe.
Ich ging zur Kasse und stand vor einer Verkäuferin, die mich ca. 5 Sekunden zu lang hat warten lassen. Es waren schlicht unangemessene Sekunden, wo ich mir vorkam, als würde ich die Damen stören. Als wäre ich jemand, den man ignorieren könnte. Dann würdigte mich die ältere Dame eines Blickes. Darauf fragte ICH SIE (!), ob sie mir eventuell weiterhelfen könnte.
Ich nannte den Markennamen, beschrieb das Produkt (ein Set mit einem Lipgloss, 3 Lidschattenfarben und 2 Lippenfarben), der Name des Produktes lautet “Party to go” und kostet ca. 25€.
Irgendwie kann man sich in etwa denken wie das Gespräch verlief…
Traurig, ich wusste, sofort nachdem ich meinen Wunsch vorgetragen hatte, dass das gesamte Gespräch in die Hose gehen würde. Schon komisch.
Das Gespräch:
Verkäuferin: “Ja, die aktuellen Lidschattenfarben haben wir hier. Aber die gibt es nur einzeln zu kaufen.”
Ich: “Nein, ich wollte ein Set haben, da sind nicht nur Lidschattenfarben enthalten sondern auch ein Lipgloss und Lippenstift.”
Verkäuferin: “Nein, das gibt es nicht.”
Ich: “Doch, ich habe es doch eben im Internet nachgeguckt. Vielleicht haben sie das ja nicht hier vor Ort.”
Verkäuferin: “Ja, dann haben wir das wohl nicht.”
Das wars. Damit stand ich dann dort ziemlich alleine.
Keine weiteren Nachfragen wie:
Sollen wir ihnen das gewünschte Produkt bestellen?
oder
Das tut mir wirklich leid, leider kann ich das auch nicht bestellen.
oder
Vielleicht kann ich ihnen etwas anderes von der oder der Firma anbieten.
NIX!
Ich war wirklich sauer, leider hatte ich mein Handy nicht dabei, sonst hätte ich diese Frau bloßgestellt. Ich wäre dazu in der Lage gewesen… Ich hatte mal wieder den Kaffee auf. Stattdessen bin ich angesäuert in die nächste Douglasfiliale gerannt, wo mir allerdings bewusst war, dass sie dort die Marke nicht führen. Aber das war mir herzlich egal, ich wollte wissen, wie dort die Situation gerettet werden würde.
2. Geschäft
Ich betrete den Laden kurz nach Öffnung und sehe, wie sich die Verkäuferinnen mit den letzten Pinselstrichen fertig stellen. Sie nehmen mich recht schnell wahr und kommen auf mich zu und fragen, ob sie behilflich sein können.
Ja, können sie. Ich trage erneut meinen Wunsch vor. Wie erwartet wurde mir mitgeteilt, dass sie diese Marke nicht führen, die andere Douglasfiliale dies aber täte. Meine kurze Antwort, dass ich dort schon gewesen sei und nicht geneigt sei, jenes Geschäft noch mal zu betreten, führte dazu, dass die Verkäuferin dann meinte, ich solle es doch einfach im Internet bestellen und ich solle kurz warten, sie hätte da noch einen Onlinegutschein.
HOSSA!
So schnell kann man Kunden glücklich machen!
Warum nicht gleich so?
Diese junge Dame gehörte definitiv zu den Verkäuferinnen, die ihren Job richtig gut machen. Ich war besänftigt, bin nach Hause gefahren und habe das Produkt online bestellt. Meine Wut war doch weitestgehend verflogen.
Es gibt Verkäufer, die sind richtig gut, ich könnte da wirklich viele nennen. Besonders in Erinnerung ist mir ein netter Verkäufer geblieben, der bei der “Trendwende” arbeitet. Das Geschäft wurde während unseres Gesprächs geschlossen, aber er hat uns einfach weiter beraten. Man hat ihm angemerkt, dass er zum einen Spaß an seinem Job hat, dass er natürlich auch Geld verdienen muss, dass man dies aber hauptsächlich mit Freundlichkeit schafft. Dieser Mann war großartig. Das Geschäft ist schlicht zu empfehlen. Es ist keine Kette, man wird dort herzlich willkommen geheißen und sehr gut beraten. Natürlich zahl ich dafür auch ein wenig mehr, aber ich muss sagen, die Qualität war perfekt, der Service war überdurchschnittlich gut und mir ist es positiv in Erinnerung geblieben, sodass ich noch mal dort einkaufen würde. Außerdem habe ich das Gschäft schon mehrfach empfohlen. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten und ich gehe zufrieden und glücklich nach Hause.
Ebenso gab es mal einen Verkäufer im Edeka. Immer wenn ich diesen junge Mann an der Kasse gesehen habe, bin ich dorthin gegangen, weil ich wusste, nach 10 Sekunden, wo er Zeit hat meine Produkte zu scannen und den Betrag zu kassieren, werde ich gute Laune haben. Er hat es geschafft, dass ich gern bezahlt habe und hinterher glücklich den Laden verlassen habe!
Eine ähnliche Verkäuferin kenn ich auch im REWE, die ist so lustig, es macht einfach Spaß bei ihr zu bezahlen.
Leider gibt es von diesen guten Menschen viel zu wenige!
Auch ich bemühe mich, diese Wirkung auf andere zu haben, aber ich glaube, es gehört auch ein gewisses Talent dazu. Aber diese Menschen, die es besitzen und so gut umsetzen, sollten auch gelobt werden.