Ich bin Bahnfahrer. Wüßte ich es nicht besser, könnte man meinen, ich wäre Mitarbeiter bei dem Konzern. An Bahnhöfen werde ich oft gefragt, wo Gleis XY ist, wo der Zug nach Telgte abfährt, wo der Informationspunkt ist, wie man das Fahrgastrechtformular ausfüllt, welche Entschädigungen man bei Verspätungen bekommt.
Leider bin ich kein Mitarbeiter… Um Mitarbeiter zu sein, muss man Optimist sein – gut, diese Voraussetzung würde ich wohl durchaus erfüllen.
Aber man muss auch ein verdammt “hartes Fell” haben, und das habe ich gewiss nicht. Wenn ich mir vorstelle, ich müsste mir all die Beleididungen anhören, die den Mitarbeitern um die Ohren geworfen werden, ich würde irre werden und…
Als Reisender im Fernverkehr habe ich schon die interessantesten Dinge erlebt. Innerhalb von drei Wochen, gab es zwei Leichenfunde auf dem gleichen Bahnabschnitt.
Letzte Woche war es mal wieder so weit. Ehrlich gesagt, ich kann mich nicht darüber aufregen. Ich finde es traurig. Die armen Menschen. Für die “Zuginsassen” ist dies natürlich nicht lustig, denn damit verbunden ist eine Verspätung von mindestens zwei Stunden und das ist schon sehr optimistisch.
Hasbergen ist ein netter kleiner Ort vor Osnabrück und hat einen wunderschönen Bahnhof! Ehrlich! Ich habe selten so ein schönes Bahnhofsgebäude gesehen. Kein Vergleich zu den Prunkbahnhöfen in den Großstädten, an dieser Stelle ist das Motto “klein aber fein” angebracht.
Dort hatten wir die Gelegenheit, eine kleine Verschnaufspause an der frischen Luft einzunehmen und auf die Freigabe der Strecke zu warten. Da ich weiß, wie lange das dauern kann und es nicht mehr so früh war, habe ich nach Alternativen gesucht.
Alternativen zu “man bleibt im Zug sitzen und wartet”:
1. Mit dem Ersatzbus von Hasbergen nach Osna zum Bahnhof, von dort mit dem RE Richtung Norden.
2. Mit dem Linienbus nach Osnabrück
3. – (In Hasbergen übernachten?)
Die Zugcheffin war großartig, sie wies darauf hin, dass all diejenigen, die in die Umgebung von Osnabrück müssten, in den Linienbus einsteigen könnten, der in 15min. vor dem Gebäude vom Bahnhof abfahren würde.
Diese Einladungen haben sehr viele wahrgenommen, was jedoch nicht Sinn und Zweck der Aktion war. Der Linienbus fuhr u.a. auch zum Osnabrücker Hauptbahnhof. Also dachten sich viele Zugreisende, es sei eine großartige Idee, den Bus zu nehmen, um dann weiter zu fahren.
Der Linienbusfahrer sah von weitem die Menschentraube und blieb erstmal vor der Haltestelle stehen. Dann fuhr er langsam zur Haltstelle und öffnete vorsichtig vorne nur eine Tür. Nach einer kurzen Rücksprache mit seiner Zentrale etc. hat er die Mitteilung herausgegeben, dass man bei ihm zahlen müsse und der Ersatzverkehr sofort bereit gestellt würde. Ich fand das sehr nett von ihm. Denn er konnte wirklich nicht alle mitnehmen. Wer bei ihm mitfahren wollte, musste also zahlen. Man kann sich den Unwillen bei den Reisenden vorstellen.
Da ich Experimente liebe, bin ich in den Linienbus eingestiegen. Nun kenn ich zig Orte um Osnabrück herum. Eine nette kleine Tour.
Am Bahnhof angekommen, war auch schon die Reisegruppe mit dem Ersatzbus da. Das fand ich beeindruckend, der Ersatzverkehr wurde anscheinend sehr schnell zur Verfügung gestellt. Ein paar andere Gäste haben sich auch ein Taxi gegönnt.
Die Anzeigentafel in Osna verriet, dass in 10min. der RE nach Bremen Hbf abfahren würde. Die Durchsage am Bahnhof und durch den RE teilte allen Fahrgästen Richtung Bremen und Hamburg mit, dass der verspätete Fernverkehrszug in 30min ankommen würde und den RE auf der Strecke überholen würde und somit vor diesem in Bremen ankommen würde. Ein sehr netter Hinweis. Kein Mensch konnte ahnen, dass die Strecke so schnell wieder freigegeben werden würde! Aber weil ich keine Lust mehr auf den Fernverkehr hatte und ich nur 10min später nach dem IC/EC ankommen sollte, blieb ich im RE sitzen.
Dummerweise hab ich dadurch meine Straßenbahn verpasst und musste etwas länger auf die nächste Stra-Ba warten. In der Zwischenzeit hatte man aber die Gelegenheit ein Formular auszufüllen. Wie immer waren die Mitarbeiter der DB am Informationspunkt sehr freundlich und zuvorkommend und je länger ich dort stehen blieb und mir die Beschimpfungen von Reisenden anhören musste, umso mehr taten mir die Angestellten leid. Irgendwie war ich froh, dass ich den Job nicht machen musste.
Drei Stunden später als erwartet war ich zu Hause und alles andere als genervt, weil ich unterewgs sehr lustige Gespräche mit anderen Reisenden hatte, die die Verspätungen auch mit Humor genommen haben. Das ist viel netter als sich aufzuregen!
Nun etwas Skurriles, was die meisten Reisenden wirklich zum Verzweifeln brachte und was ich echt verstehen kann:
Der Fernverkehrszug hatte im Rheinland schon eine Verspätung, weil dort die Strecke wegen eines Leichenfundes gesperrt wurde.
Ein weiterer Leichenfund vor Osnabrück brachte dann alle Reisenden auf die Palme.
Ich gebe zu, gleich zwei Tote auf einem Weg zu haben, das hatte selbst ich noch nicht.
Ich will gar nicht wissen, was die insgesamt für eine Verspätung hatten….
Von daher: was ist schon ein Toter auf der Strecke?! Das muss man optimistisch sehen, jene Reisende hatten echt Pech und gleich zwei auf ihrer Strecke.